Gespräch mit Christoph Franken

– er spielt Andy, einen jungen Handwerker, der in einem Häuschen auf dem Grundstück seines Ziehvaters lebt

Andy (Christoph Franken) ist verzweifelt (m. Vedat Erincin).
Andy ist verzweifelt. | Bild: NDR / Sandra Hoever

Herr Franken, Andy überrascht mit einem kindlichen Gemüt, das ganz im Gegensatz zu seiner körperlichen Präsenz steht. Er ist handwerklich sehr talentiert, hilft gerne aus, wo immer er kann, und beeindruckt mit einer Unbekümmertheit, Impulsivität und einer entwaffnenden Herzlichkeit. Wie gelang es Ihnen, diese Figur so zu gestalten, dass sie nicht ins Komische abdriftet?

Als ich das Drehbuch las, hat mich diese Figur sofort interessiert. Andy wollte ich unbedingt spielen! Aber wie stellt man einen Menschen wie ihn dar? Andy ist ein außergewöhnlicher Mensch, der nicht so stark über den Intellekt, sondern vor allem über Bauch, Herz und Instinkt funktioniert. Er lebt in einer anderen Gefühls- und Lebenswelt als die meisten Menschen. Erst wenn einem dies bewusst ist und man die Figur ernst nimmt, wird man ihr gerecht. Andy ist alles andere als ein Clown. Die Komik und auch Tragik in einigen Szenen ergibt sich daraus, dass dieser Mann eben anders als die meisten Menschen „tickt“. Mein Bauch sagte mir, dass ich darauf vertrauen könne, diese Figur gut zu spielen. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, dass Nina Wolfrum das wohl auch so sah und mich unbedingt für diese Rolle besetzen wollte. Es wäre toll, wenn Andy in einer weiteren Folge der Reihe nochmal auftauchen würde!

Trotz seines kindlichen Auftretens hat Andy mitunter aber auch etwas Beängstigendes. Haben Sie ihn so angelegt, dass er zwei Gesichter hat?

Andy kann eigentlich keiner Fliege etwas zuleide tun. Er ist herzensgut. Wenn er sich aber in die Enge gedrängt fühlt, kann er etwas Getriebenes, Unberechenbares bekommen. Als er den Mördern seines Ziehvaters begeg - net, passiert körperlich etwas mit ihm. Etwas in ihm gerät außer Kontrolle und er entwickelt eine unglaubliche Kraft und wird zur Bedrohung für sein Gegenüber – mit fatalen Folgen.

Sie sind ein sehr gefragter Theaterschauspieler, waren zehn Jahre Ensemblemitglied am Deutschen Theater Berlin, haben zwei Mal den Teufel und vier Mal den Mammon im Salzburger „Jedermann“ gespielt. Seit 2019 sind Sie fest am Residenztheater München engagiert. Worin besteht für Sie der Reiz, auch vor der Kamera zu spielen?

Mich reizt das kleine feine Spiel vor der Kamera extrem. Es ist eine ganz andere Arbeit als das Spielen auf der Bühne. Ausschlaggebend sind für mich natürlich immer das Buch und die Figur, die ich verkörpern soll. Packt mich eine Figur, wie es bei Andy der Fall war, dann muss ich sie spielen, dann kämpfe ich darum, mich für den Dreh vom Theater freistellen zu lassen. Ich finde es auch spannend, hinterher das Produkt, den fertigen Film und seinen Look zu sehen. Und es ist natürlich toll, dass man mit einer Reihe wie „Nord bei Nordwest“ mit einem Schlag ein viel größeres Publikum erreicht als mit einem Theaterstück.

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